Kontrolle behalten

Aber ich will JETZT!

Ich weiß ja nicht wies dir gerade mit deinem/deinen Kind/ern daheim geht und natürlich sind manche Phasen auch alters- bzw entwicklungsbedingt ABER:

Ich glaube ich hab heute ein bisschen was von unserer kleinen Maus verstanden.
Dadurch gelingt es mir jetzt wieder gelassener mit ihr daheim umzugehen und das ist gut, immerhin haben wir ja noch ein paar Wochen Kindergartenpause vor uns ;).

Vielleicht hilft dir meine „Erkenntnis“ ja auch…
Unsere süße Kleine ist gerade, liebevoll formuliert, sehr fordernd. Alles muss genau so sein wie sie es sagt. „Mama, geh da hinüber zu der Linie. Nein, nicht so weit. Wieder ein Stück zurück. Nein, wieder weiter weg…“ Alles was wir an Aufforderungen an sie richten wird hingegen zumindest mit einem „Warum?“ beantwortet wenn nicht mit einem „Nein!“. Und da ist natürlich noch der Satz „Aber ich will es JETZT“

Natürlich kann man argumentieren: sie ist dreieinhalb, die Warum-Phase ist ganz normal, auch dass sie sehr konkrete Vorstellungen davon hat was sie will und was nicht und so weiter und so fort. Stimmt alles ABER: wir kennen unsere Tochter eigentlich nicht so. Sie ist „normalerweise“ so super-kooperativ, verständnisvoll und zugänglich für logische Erklärungen.
Und dann hatte ich heute (als ich gerade bei einer schönen weißen Rolle Klopapier saß 🙂 eine Idee. Was wenn ihr Bestimmen, Widerstand leisten und Unzufrieden sein einfach ihre Art und Weise ist uns zu verstehen zu geben, dass diese neue komische Situation mit dieser Krankheit da draußen ihr einfach zu schaffen macht?
Was wenn sie krampfhaft versucht innerhalb ihrer Möglichkeiten die Kontrolle über die Situation zu behalten?

Und ganz plötzlich hab ich ein unheimlich schlechtes Gewissen bekommen. Ein schlechtes Gewissen für all die Male wo ich sie angemotzt habe sie solle endlich weiter tun und „bockig“ ihre Instruktionen abgelehnt hab.

Corona und seine Auswirkungen sind ja für mich als Erwachsene schon schwierig zu erfassen bzw. zu überblicken ABER, ich kann mit anderen Menschen über die (uns zur Verfügung stehenden) Fakten reden. Ein Kind (in ihrem Alter) kann das nicht. Sie hat keine Möglichkeit sich selbständig zu informieren oder mit anderen Kindern ihre Sorgen zu besprechen. Sie versucht in dieser neuen Situation Halt zu finden in dem sie Entscheidungen trifft und so das Gefühl hat auch etwas unter Kontrolle zu haben.

Mit diesem Verständnis fällt mir der Alltag mit ihr jetzt leichter. Es fällt mir leichter mit ihren Vorstellungen und Wünschen umzugehen und leichter sie zu erfüllen weil ich verstehe, dass ich ihr damit Sicherheit geben kann. Und was bei uns wirklich fast jedes Mal ein kleines Wunder bewirkt ist An- und Aussprechen. In einer Situation wo‘s mal nicht geht alles haargenau umzusetzen was sie sich vorstellt und sie in einen Schrei-/Weinkrampf ausbricht sag ich dann: „ Ich kann mir vorstellen, dass das gerade sehr frustrierend für dich ist. Alles ist gerade anders und du kennst dich gar nicht mehr aus. Vielleicht macht es dir auch Angst, was du über diese Krankheit hörst und dann versuchst du die Kontrolle zu behalten in dem du uns herumkommandierst damit zumindest irgendwas so ist wie DU es gerade haben magst.“

Das klingt jetzt für dich vielleicht viel zu aufwändig und viel zu schwierig für eine Dreieinhalbjährige zu verstehen aber meine Erfahrung ist die: Wenn ich den wahren Grund gefunden hab und ihr das sage dann wird es plötzlich ganz ruhig in ihr und das Weinen und Schreien verebbt und auch das „nervige“ Verhalten ist wieder weg. Manchmal braucht es mehrere Anläufe bis ich es richtig verstanden und für sie formuliert habe. Deswegen verwende ich auch gerne die Formulierung: „Ich kann mir vorstellen du fühlst dich… und deswegen machst du …“. So komm ich mit ihr ins Gespräch, sie merkt, dass es mir wichtig ist sie zu verstehen und, dass ich nicht aufgebe. Damit habe ich dann nicht nur ihr Verhalten verstanden sondern auch unsere Beziehung gestärkt.

Natürlich ärgert es mich im Nachhinein, dass ich fast eine Woche gebraucht hab um ihre Signale zu verstehen aber ich werde besser. Besonders in Phasen wo unsere Kleine so ganz anders ist als wir sie sonst kennen werde ich aufmerksam. Dann halte ich inne und versuche unsere momentane Situation zu reflektieren und/oder aus ihrer Perspektive zu betrachten.
Und wenn es geklappt hat ist auch der Ärger über mich wieder weg und ich bin einfach nur dankbar für dieses kleine Wunder, das mich Mama nennt.

Cornelia

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